Bei AUREL widmen wir uns in diesem Jahr einem völlig neuen technologischen Thema. Im Januar haben wir in Košice unsere Zusammenarbeit im Rahmen eines internationalen Konsortiums bestätigt und einen Rahmenvertrag für das Projekt JARMIL EPC-2K unterzeichnet – und damit unseren Einstieg in den Luft- und Raumfahrtbereich besiegelt. Wir knüpfen damit an unsere bisherigen Erfahrungen mit technisch anspruchsvollen Projekten an und übertragen diese auf einen Bereich, in dem die Anforderungen an Präzision, Zuverlässigkeit und Qualifikation noch höher sind.
Was ist JARMIL EPC-2K
Das Projekt JARMIL EPC-2K ist ein Entwicklungsprogramm, das sich auf Raketenantriebssysteme konzentriert. Es geht jedoch nicht nur um den Entwurf selbst – es umfasst nämlich den gesamten Prozess, von der Konstruktion über numerische Simulationen bis hin zur experimentellen Überprüfung und zum System-Engineering.
Im Rahmen des Projekts beteiligen wir uns an der gesamten Entwicklung und werden gleichzeitig Teil der europäischen Raumfahrtprojekte, in denen langfristig technologisches Know-how und Vertrauenswürdigkeit für die weitere internationale Zusammenarbeit aufgebaut werden.
„Für AUREL und LENAM ist das Projekt insofern von strategischer Bedeutung, weil es uns ermöglicht, unsere hochentwickelten Kompetenzen auf den Luft- und Raumfahrtsektor zu übertragen“, sagt Radek Němeček, Koordinator für die Luft- und Raumfahrtaktivitäten bei AUREL.
Wir stehen dabei nicht alleine da
Die Entwicklung eines Raketentriebwerks beruht auf der Zusammenarbeit mehrerer Partner. Deshalb sind wir Teil eines Konsortiums, in dem jeder eine klare Rolle hat. Die Fakultät für Maschinenbau der TUKE (Technische Universität Košice), einschließlich des Prototypen- und Innovationszentrums PaIC, bietet uns eine solide Forschungs- und Produktionsbasis und bringt Erfahrungen aus Projekten der Europäischen Weltraumorganisation mit. Auf diesen Erfahrungen baut auch die weitere Zusammenarbeit auf – derzeit beteiligt sich die TUKE an einem ESA-Projekt zur Luftreinigung, das seit Februar 2026 läuft, und AUREL sowie LENAM wirken dabei als Subunternehmer mit.
Stellar Exploration und Inpraise Systems bringen ihr Know-how aus den Bereichen Weltraumanwendungen und Systemdesign ein.
Für AUREL und LENAM bringen wir in das Projekt JARMIL vor allem unsere Erfahrungen aus den Bereichen numerische Simulationen, virtuelle Entwicklung und das Testen technisch anspruchsvoller Systeme ein. Genau diese Verbindung von Forschung, Entwicklung und Praxis bildet die solide Grundlage des Projekts.
Unsere Rolle beruht vor allem darauf, sicherzustellen, dass der Entwurf funktioniert, noch bevor der erste physische Prototyp entsteht. Wir konzentrieren uns vor allem auf:
- Analyse der mechanischen und thermischen Belastung,
- Bewertung der strukturellen Integrität,
- Überprüfung des Verhaltens wichtiger Motorkomponenten unter kritischen Betriebsbedingungen.
Dadurch können wir bereits in der frühen Phase Schwachstellen aufdecken, den Entwurf anpassen und das Risiko verringern, dass Probleme erst beim Testen auftreten. „Unser Ziel ist es, dass der endgültige Entwurf nicht nur funktionsfähig, sondern auch robust, verifizierbar und für die nächsten Qualifizierungsschritte bereit ist“, erklärt Radek Němeček.
Ein anderer Ansatz beim Antriebssystem
Einer der Aspekte, der uns an diesem Projekt besonders Spaß macht, ist sein innovativer Ansatz. Hier werden elektrisch angetriebene Verdrängerpumpen – konkret eine Außenverzahnungs-Zahnradpumpe – im Raketentriebwerk eingesetzt.
Dies eröffnet neue Möglichkeiten für die Gestaltung von Raketenzyklen und kann sich sowohl auf die Leistung als auch auf die Gesamteffizienz des Systems auswirken. Zurzeit besteht unsere Hauptaufgabe darin, zu überprüfen, ob dieses Konzept Bestand hat – zunächst bei Simulationen, danach auch bei realen Tests.
Was im Bereich Luft- und Raumfahrt anders ist
Die Grundprinzipien bleiben ähnlich wie in der Automobilindustrie– Präzision, Qualität, Rückverfolgbarkeit. Der Unterschied liegt darin, wie stark diese Vorgänge formalisiert sind und wie strenge Regeln wir einhalten müssen. Im Umfeld der Europäischen Weltraumorganisation halten wir uns an die ECSS-Standards, die genau definieren, wie Dokumentation, Validierung und Qualitätsmanagement auszusehen haben.
Gleichzeitig steigen die Sicherheitsanforderungen auf ein ganz neues Niveau. Bei Raketensystemen müssen beispielsweise Fragen wie der Umgang mit Treibstoffen, der Schutz von Personen bei Tests oder strengere Kontrollen kritischer Komponenten geklärt werden. Es reicht nicht aus, dass es funktioniert; es muss eindeutig nachgewiesen werden, dass es sicher und wiederholbar funktioniert.
Ein großer Vorteil ist, dass wir nicht ganz bei Null in eine völlig unbekannte Umgebung einsteigen. Das Team aus Košice verfügt über Erfahrung in der Entwicklung, Herstellung und Erprobung kleinerer Raketentriebwerke und war auch an Teilen des Projektes JARMIL beteiligt. Die Kollegen verfügen zudem über fundierte Kompetenzen in der Konstruktion mechanischer Systeme oder dem Entwerfen von Zahnradgetrieben, die sich beispielsweise für Pumpensysteme eignen. Zusammen mit den Produktions- und Messtechnikressourcen von PaIC bildet dies eine gute Basis für den Start des Projekts.
JARMIL EPC-2K als langfristige Gelegenheit
Das Projekt bewirbt sich um eine Förderung im Rahmen der 4. RPA Aufforderung der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) zur Förderung der Entwicklung neuer Weltraumtechnologien. Gleichzeitig betrachten wir es jedoch als langfristige technologische Investition.
Sollte JARMIL nicht erfolgreich sein, planen wir weitere Schritte – sei es im Rahmen anderer europäischer Programme oder in Form eines Technologiedemonstrators, an dem die Schlüsselprinzipien der vorgeschlagenen Lösung schrittweise getestet werden. Das Hauptziel ist es, das Projekt so weit voranzubringen, dass es technisch erprobt und für die weitere Entwicklung bereit ist. Ein entscheidender Meilenstein für uns wird daher die erfolgreiche Validierung des neuen technologischen Konzepts sein. Davon wird sich alles Weitere ableiten.
Ein Schritt zu anspruchsvolleren Projekten
Die Luft- und Raumfahrt ist für uns nicht nur eine Erweiterung unserer bestehenden Aktivitäten. Nach und nach könnte sich daraus ein eigenständiger Technologiebereich entwickeln, der sich auf die Entwicklung und Erprobung von Triebwerkssystemen konzentriert – in Zukunft möglicherweise sogar mit der Unterstützung eines spezialisierten Propulsion-Labors.
Unsere Erfahrungen aus der Luft- und Raumfahrt lassen wir jedoch auch in Projekte der Automobilbranche und andere Industrieprojekte einfließen. Dank ihnen werden wir die Genauigkeit, die Qualität und unsere Herangehensweise an die Entwicklung noch weiter verbessern können.
Das Projekt JARMIL EPC-2K ist für uns daher nicht nur ein konkreter Auftrag, sondern ein Schritt in Richtung einer langfristigen Bewältigung technologisch anspruchsvollerer Entwicklungsaufgaben und der Arbeit an Projekten mit Mehrwert.







